Emeritierter Universitätsprofessor

 

Dr. Dr. h. c. Peter E. Pieler (14. 12. 1941 – 1. 10. 2018)

 

Tiefbestürzt und in großer Trauer beklagt das Institut für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte den Tod seines langjährigen Ordinarius und Institutsvorstandes.

 

Ein plötzlich notwendiger Spitalsaufenthalt machte es Peter E. Pieler im April 2018 zu seinem großen Bedauern unmöglich, der feierlichen Verleihung des Goldenen Doktordiploms seitens der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien beizuwohnen. Nun ist er seiner – mit stoischer Geduld und Gottvertrauen ertragenen – schweren Krankheit im 77. Lebensjahr erlegen.

 

Mit Peter E. Pieler verliert die Universität Wien einen international überaus geschätzten Gelehrten des Römischen Rechts und der Byzantinischen Rechtsgeschichte. Von 1983 bis zu seiner Emeritierung 2010 war Pieler Ordinarius für Römisches Recht, aber schon zuvor hatte er seit 1965 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät höchst engagiert gelehrt und geforscht.

 

Wissenschaftlich geprägt von Walter Selb (im Römischen Recht) und Herbert Hunger (in der Byzantinistik) hat sich Pieler 1978 mit seiner Gesamtdarstellung der byzantinischen Rechtsliteratur (die 1994 in einer aktualisierten Version auf Neu­griechisch erschien) einen hervorragenden internationalen Ruf erworben. Byzanti­nische Rechtsgeschichte lehrte er auch später regelmäßig an der Philosophischen und an der Juristischen Fakultät und publizierte dazu vielbeachtete Beiträge. Im Römischen Recht beschäftigte sich Pieler intensiv mit der Gerichtsorganisation des Imperium Romanum, zu nennen ist hier neben enzyklopädischen Artikeln vor allem die Habilitationsschrift zum Kaisergericht und zu den kaiserlichen Gerichtsorganen von Augustus bis Justinian. Bemerkenswert am wissenschaftlichen Oeuvre Pielers ist die große Bandbreite, die von Detailfragen des römischen Privatrechts über zahlreiche Beiträge zur antiken Völkerrechtsgeschichte bis hin zu Fragen der Wissenschaftsgeschichte und –soziologie und kultur­historischen Essays reicht. Ein spezifisches Interesse galt auch den Bezügen zwischen Römischem Recht und Kanonischem Recht. In seinen Schriften und Vorträgen beeindruckte immer wieder Pielers stupende Belesenheit und Quellen­kenntnis, aber auch die Offenheit für neue Perspektiven.

 

Peter E. Pieler war ein Forscher, der neben den Publikationen vor allem als Redner, als Vortragender, als Lehrer an der cathedra, aber auch als höchst anregender und unterhaltsamer Gesprächspartner in Erinnerung bleiben wird. Seine Rhetorik war essentieller Teil seiner Persönlichkeit und machte es vielen Generationen von Juristinnen und Juristen geradezu zu einem Vergnügen, bei ihm Römisches Recht, aber auch die Einführung in das geltende Privatrecht zu hören. Seine Menschenfreundlichkeit ließ ihn zu einem persönlichen Ansprechpartner für die Anliegen von Studierenden werden.

 

Peter E. Pieler hat der Fakultät und der Universität viele Jahre lang in höchst verantwortungsvollen Funktionen gedient. So war er von 1984 bis 1990 Vorsitzender der Studienkommission, Mitglied in einer Vielzahl universitärer Kommissionen sowie Senator der Universität Wien. Von 1993 bis 2000 war er Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät – und auch danach hatte er als Studiendekan und Studien­programmleiter (2000–2006) ganz entscheidenden Anteil an der Lehradministration und –gestaltung. Als Dekan war er Innovationen gegenüber aufgeschlossen, so unterstützte er sowohl die Etablierung des Vis Moot Courts for Commercial Arbitration in Wien als auch die Gründung des ersten postgradualen Lehrgangs für Informationsrecht und Rechtsinformation.

 

Pielers Leitungskompetenz wurde aber auch international gerne in Anspruch genommen. So war er am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main viele Jahre Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates und von 1998–2007 dessen Vorsitzender. Pieler gehörte einer Reihe von Forschungsvereinigungen an wie der Kommission für Antike Rechtsgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Österreichischen Byzantinistischen Gesellschaft oder der Internationalen Kommission für Vergleichende Kirchengeschichte. Die Wiener Rechtsgeschichtliche Gesellschaft, der er in den Jahren 1984/85, 1992/93, 2005/06 und 2009/10 als Präsident vorstand, ernannte ihn zu ihrem Ehrenpräsidenten.

 

Die Leistungen als Wissenschafter und sein Wirken in so zahlreichen akademischen Funktionen wurden vom Bundespräsidenten im Jahr 2001 mit der Verleihung des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich gewürdigt, zu seinem 60., zu seinem 65. und zu seinem 75. Geburtstag fanden internationale Symposien statt, aus denen auch eine ihm gewidmete Festschrift (Antike–Recht–Geschichte. Symposion zu Ehren von Peter E. Pieler, Wien 2009) hervorging. Eine besondere Krönung war es, dass die von ihm so geliebte Universität Athen, zu der er viele Jahrzehnte lang engste wissenschaftliche Beziehungen pflegte, ihn 2016 mit der Zuerkennung des Ehrendoktorates ehrte.

 

Am Institut für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte war Peter E. Pieler vielen von uns ein lieber väterlicher Begleiter, ein Mentor im besten Sinn des Wortes. Zahlreiche Dissertationen wurden von ihm betreut und die Habilitationen von Nikolaus Benke, Michael Memmer, Franz-Stefan Meissel, Richard Gamauf und zuletzt Philipp Scheibelreiter durch ihn wohlwollend begleitet.

 

Peter E. Pieler hat mit seiner von Liberalität geprägten Persönlichkeit, seiner Großzügigkeit und seiner Herzlichkeit das Institutsklima nachhaltig geprägt. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner lieben Ehefrau Christa und den beiden Kindern Franz und Eva.

 

Wir werden Peter E. Pieler stets dankbar gedenken und uns bemühen, die Arbeit in seinem Geiste fortzuführen!

 

Univ.-Prof. Dr. Franz-Stefan Meissel

 

 

 

 

 

 


"Im WS 2018/19 findet eine gemeinsam mit dem Institut für Rechtsphilosophie veranstaltete Ringvorlesung zur Antiken Rechtsgeschichte statt: Termin ist jeweils Montag, 13:00-14:30, ReWi-Hörsaal Schenkenstraße, 4. Stock. Es ergeht herzliche Einladung! Philipp Scheibelreiter"  Plakat

 


 

 

Dr. Jessica Piccinini, wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem von Priv.Doz. Dr. Loredana Cappelletti geleiteten Projekt "Local Governments in Sicily in pre-Roman and Roman times" (FWF Nr. P30279-G25) am Institut für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte der Universität Wien hat in einem hochkompetitiven Verfahren eine (von insgesamt nur drei) Tenure-Track-Positionen auf dem Gebiet Geisteswissenschaften im renommierten Programm "Rientro dei Cervelli - Rita Levi Montalcini" des italienischen Ministeriums für Bildung und Forschung gewonnen.

 

 

Diese Auszeichnung führt zwar leider dazu, dass Dr. Piccinini das Institut für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte zugunsten einer Dauerstelle in ihrer Heimat verlässt, ist aber als Anerkennung ihres exzellenten internationalen Forschungsprofils höchst erfreulich und demonstriert eindrucksvoll auch die international herausragende Qualität der ForscherInnengruppe von Loredana Cappelletti!

 


 

Herr Mag. Niklas Rafetseder hat für seine in Arbeit befindliche Dissertation " Lex coloniae - lex municipii: Die römische Stadtgesetzgebung in Republik und Kaiserzeit" den "Theodor-Körner-Förderpreis" erhalten. Link


Seit 1. März 2018 ist Univ.Prof. PD Dr. Philipp Scheibelreiter als Professor für "Antike Rechtsgeschichte und Römisches Recht" bestellt.


 

Barrierefreies Studium

https://barrierefrei.univie.ac.at/durchs-studium/infoclips/clip-erstsem/


11th International Roman Law Moot Court, Universität Liège/Lüttich  

Vom 11. bis 15. April nahm ein Team von Wiener Studierenden (Hanna Grandits, Jakob Braun, Teodora Govoreanu-Constantinescu, Sarah Hayward) am 11th International Roman Law Moot Court teil, der von der Universität Liège/Lüttich organisiert und im belgischen Eupen abgehalten wurde.

Der International Roman Law Moot Court ist ein Wettbewerb für Studierende der Rechtswissenschaften, die als Prozessgegner in einem fiktiven Fall gegen einander antreten, bei dem sie nach römischem Recht in englischer Sprache zu argumentieren haben. Diese Plädoyers entstehen in monatelanger Vorbereitungsarbeit. Erfolgreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeichnen sich durch solide juristische Kenntnisse, gerade natürlich auf dem Gebiet des Römischen Rechts, aus, verfügen über gute rhetorische Fähigkeiten und können auf Fragen der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter schlagfertig und juristisch präzise antworten.

Der diesjährige International Roman Law Moot Court wurde vom Team der Universität Oxford gewonnen; der Wiener Jakob Braun wurde als bester individueller Teilnehmer ausgezeichnet (best oralist award). Vorbereitet und begleitet wurden das Wiener Team von den Professoren Richard Gamauf und Philipp Scheibelreiter.

Das Rahmenprogramm beinhaltete Besichtigungen von Liège und Eupen, einen Besuch des Parlaments der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien und die von den teilnehmenden Teams mit großem Enthusiasmus bestrittene „talent show“, bei der das Wiener Team den Fall in Form eines musikalischen Sketches nochmals präsentierte.

Der International Roman Law Moot findet in dieser Form seit 2009 statt. Die teilnehmenden Universitäten sind Athen, Cambridge, Liège, Neapel, Oxford, Trier, Tübingen und Wien. Der Wettbewerb wurde 2016 in Wien abgehalten; das Wiener Team konnte 2014 in Oxford den Sieg erringen.

In der letzten Märzwoche 2019 findet der 12th International Roman Law Moot Court an der Universität Cambridge statt. Interessentinnen und Interessenten für das Wiener Team 2019 können sich ab sofort bei richard.gamauf@univie.ac.at melden. Die Mitglieder des Teams werden im Rahmen einer im Wintersemester stattfindenden Vorbereitungslehrveranstaltung ermittelt.